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Dokumente aus dem Off

 

Die Initiative "Nationalisten waren wir nie" richtete sich gegen Referate und Texte von ehemaligen SDS-Mitgliedern, die die SDS-Geschichte nationalrevolutionär uminterpretieren wollen. Diese Texte waren entweder nur zeitweilig im Internet zu finden oder aber überhaupt nicht. Obwohl beispielsweise Horst Mahler zwei Homepages betreibt, veröffentlichte er die von ihm zusammen mit Oberlercher und Maschke verfaßte "Kanonische Erklärung" dort nicht mal vorübergehend. Wir wissen nicht, ob diese "Erklärung" ihm plötzlich selbst peinlich wurde oder welch anderer Grund für die Nichtveröffentlichmachung vorlag, aber darauf kommt es auch nicht mehr an. Es ist mißlich, eine Erklärung zu verbreiten und die Texte, auf die sie sich bezieht, nicht verfügbar sind, so seltsam sie auch immer sein mögen.

Ähnliches gilt für die inzwischen berühmt-berüchtigte Rede Bernd Rabehls vor der Münchener schlagenden Burschenschaft Danubia. Zunächst war sie auf der Homepage der rechtsextremistischen Jungen Freiheit zu finden und dann auch wieder nicht. Wir setzten Links, die aber von Zeit zu Zeit nicht funktionierten.

Am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin zirkulieren Flugblätter, die sich mit Horst Mahler und Bernd Rabehl beschäftigen. Eines ist uns zugemailt worden. Es stammt offensichtlich von einer studentischen Gruppe, die sich dem autonomen Lager zugehörig fühlt. Es ist zwar anonym, entspricht aber etwa dem Inhalt, den die Fachschaftsinitiative (FSI) am OSI in ihrem Flugblatt vertritt, nur niveauloser. Letzteres liegt uns nicht vor. Deshalb können wir nur das erstere dokumentieren, allerdings nur im Off-Bereich. Wir stellen anheim, selbst zu beurteilen, wer sich hier und wie die Bälle gegenseitig zuschiebt.

Mahler und Rabehl stellen sich gern als verfolgte Unschuld dar und reklamieren Diskussion und Dialog. Nur halten sie sich an ihre eigenen Forderungen nicht. Wir sind der festen Überzeugung, die besseren Argumente zu haben. So greifen sie zurück auf Vokabeln längst vergangener Zeiten wie "Volksverräter" (Mahler in seiner Rede vor dem NPD-Parteitag Baden-Würtembergs) oder "haßerfüllte ML'er" oder "frustrierte Anhänger des Blues" (beides Rabehl in einer Replik auf unsere Kritik an seinen Vorstellungen), wenn sie von ihren ehemaligen GenossInnen sprechen, die ihnen nicht ins nationalistisch-völkische Lager folgen wollen, anstatt konkret sich mit unseren Analysen auseinander zu setzen.

Horst Mahler hat inzwischen erreicht, daß sich einige Antifas mit ihm beschäftigen. Die ehemalige Bündnis90/Grünen-Abgeordnete im Berliner Abgeordnetenhaus Judith Demba organisierte am 17.5.99 eine "Nie wieder Montags-Mahler"- Demonstration vor dessen Kanzlei in der Paulsborner Straße. Etwa 25 junge Leute zeigten "Nazis Raus"-Banner, hielten Reden über einen mitgebrachten Verstärker auf einem VW-Bulli und verteilten ein Flugblatt. (Laut Auskunft der Polizei waren auch ca. 10 Rechtsextremisten vor Ort, die jedoch durch die Staatsmacht von den Antifas ferngehalten wurden.) Das Angebot Horst Mahlers zu einer Diskussion lehnten Judith Demba und ihre MitstreiterInnen ab.

Bernd Rabehl muß sich derweil mit der Forderung auseinandersetzen, ihn wegen "rechtsextremistischer Tendenzen" aus der FU zu entfernen. Hauptanhaltspunkt für diese ihm zugeschriebenen Tendenzen ist nach wie vor die Danubia-Rede. Die Texte, die er danach verfaßte, z. T. nachzulesen auf der Kalaschnikow-Website, klingen nicht mehr unmittelbar nach LTI (Viktor Klemperer: Lingua Tertii Imperii), stellen aber auch keine Abkehr von den Inhalten dar, die den Münchener Burschenschaftlern vorgetragen wurden. Einer unserer Leser machte uns nun auf eine neue Verteidigung Bernd Rabehls aufmerksam, die auf einer HU-Homepage erschienen ist und den Titel "Anschlag" trägt. Es handelt sich um einen erneuten Rundumschlag gegen all seine Kritiker, ohne sich mit einzelnen Argumenten sachlich auseinanderzusetzen, und um eine quasi Wiederholung seiner bereits bekannten Analyse, diesmal in etwas neutralerer Form verpackt. Sein Bemühen, zurückzurudern ist dabei unverkennbar. Selbstkritische Momente fehlen aber nach wie vor. Dies nicht nur bezüglich seiner "nationalrevolutionären" Thesen, sondern auch in Bezug auf andere Aspekte unserer Geschichte. So Recht er z. B. damit hat, den Rückfall der antiautoritären Bewegung in leninistische bzw. stalinistische Organisationsmodelle in den 70iger Jahren zu kritisieren, so wenig glaubhaft bleibt er dennoch, wenn er seine eigene Vorreiterrolle in diesem Prozeß verschweigt. Wer sich diesen ganzen Wust wirklich antun will, findet ihn auf dem von uns gesetzten Link.

Da viele 68iger die Meinung vertreten, das Private sei politisch, soll das Off auch aus dem Privaten angereichert werden: der "private" Brief von Günter Langer an Horst Mahler, der versucht, die "privaten" Ursachen Horst Mahlers für sein Tun zu ergründen und nie beantwortet wurde.

Inzwischen ist viel Wasser aus der Spree in die Havel geflossen. Mahler kämpft jetzt (2000) für die NPD und plädiert für "standrechtliche Erschießungen". Damit bleibt er sich treu, wollte er doch früher schon bspw. seinen Mitgenossen Peter Hohmann als "Verräter" liquidieren (lassen). Die Berliner Strafverteidiger schlossen ihn jetzt aus ihrer Vereinigung aus (Berliner Zeitung vom 20.1.2001). Zur Zeit hat er ein Buch zusammen mit Schönhuber vorgelegt, das selbst einer "Junge Freiheit"-Autorin mit seinen Verschwörungstheorien abstrus erscheint.  Wer Mahlers Weg näher verfolgen will, sollte den Informationsdienst gegen Rechts in Anspruch nehmen. Gleiches gilt für Rabehl und Oberlercher.

Rabehl hat inzwischen ein neues Buch ebenfalls aus verschwörungstheoretischer Sicht veröffentlicht, zu dem Hans-Eberhard Schultz eine Rezension geschrieben hat.

 

Horst Mahler im Jahre 2007. Interview mit Michel Friedman in Vanity Fair Teil 1, Teil 2: Mahler ist jetzt stolzer Nationalsozialist und grüßt nunmehr mit "Heil Hitler", wie das bereits von Günter Langer im Januar 1999 in einem Brief an Mahler vorausgesehen wurde.
Ulf Poschardt (Chefredakteur von Vanity Fair):
Die Abrechnung der 68er mit den Nazi-Vätern half bei der Modernisierung. Und blieb blind gegen eigene totalitäre Ansichten.
Michel Friedman
hat für ein Gesellschaftsmagazin mit dem RAF-Gründer und heutigen Nazi Horst Mahler ein langes Gespräch geführt. Im Interview mit sueddeutsche.de erläutert er, warum er es für wichtig hält, nicht nur über diese Leute zu reden - sondern manchmal auch mit ihnen. (Interview 2.11.07: Lars Langenau).
Der Neonazi und Ex-NPD-Anwalt Horst Mahler steht vor Gericht - der Prozess gegen ihn wurde heute vertagt. Mahler hetzt weiter: In einem Gespräch mit Michel Friedman, das das Magazin "Vanity Fair" dokumentiert, leugnet Mahler erneut den Holocaust. (Spiegel, 2.11.07).
Ob das eine gute Idee war? Michel Friedman interviewt für ein Gesellschaftsmagazin Horst Mahler. Und der Ex-RAF-Mann und heutige Rechtsextremist benimmt sich voll daneben. Ulrike Meinhof, so Mahler, stünde heute "mit Sicherheit" auf seiner Seite.(SZ, 2.11.07).
Henryk Broder: Das Dokument der Hilflosigkeit eines Interviewers, der einen Kannibalen von den Vorzügen vegetarischer Lebensweise zu überzeugen versucht. Mahler ist ein paranoider Antisemit, der überall Juden und ihre Agenten am Werke sieht ("Der Jude trachtet danach, die Weltherrschaft zu erringen"), von Kemal Atatürk, dem Begründer der modernen Türkei, bis zu Angela Merkel. Hitler, sagt Mahler, "war der Erlöser des deutschen Volkes", die systematische Vernichtung der Juden in Auschwitz "ist eine Lüge". (Spiegel, 4.11.07).
Harald Martenstein: Unerfreuliches durch Verschweigen bekämpfen? Michel Friedman macht das einzig Richtige, um der NPD zu schaden: Er redet mit ihr. Auf fast 90 Seiten ist nun sein Interview mit dem Neonazi-Anwalt Horst Mahler einsehbar. In Deutschland setzt man sich mit dem Rechtsradikalismus nicht auseinander, stattdessen läuft man vor ihm davon. Dahinter steckt nicht nur eine veraltete Medientheorie, nach der nur das wirklich existiert, was in den Medien vorkommt, mit anderen Worten, dass man Unerfreuliches durch Verschweigen bekämpfen könne – das unkontrollierbare Internet hat diese Theorie beschädigt. Dahinter steckt auch eine irrationale Furcht vor der scheinbaren Allmacht des rechtsradikalen Arguments. Offenbar können Naziparolen durch bloßes Ausgesprochenwerden die Massen verzaubern. Ein Misstrauen haben viele von uns offenbar auch sich selbst gegenüber, denn wer sich mit einem Gedanken wirklich auseinandersetzt, der muss ihn erst einmal in seinem Kopf zulassen. Das alles nützt vor allem den Nazis, deren mythische Größe als Medientabu in einem drolligen Missverhältnis zu ihrer intellektuellen Dürftigkeit steht.(Tagesspiegel, 5.11.07).

Horst Mahlers Verlobte, Sylvia Stolz, Exverteidigerin des Holocaust-Leugners Ernst Zündel, wird zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Wegen Volksverhetzung und Aufstachelung zum Rassenhass. (taz, 14.1.08).
APO-Anwalt, SDS-Mitglied, RAF-Gründer, NPD-Verteidiger, Propagandist des "Deutschen Reiches", Holocaustleugner und bekennender Nazi Horst Mahler im Interview mit Michel Friedman (Vanity Fair, 1.11.07). Links dazu im OFF. Wir hatten es vorausgesehen und ihn nach seiner Danubia-Rede Ende 1998 aus unseren Veteranenveranstaltungen ausgeschlossen.

Jetzt vereint Horst Mahler das Politische mit dem Persönlichen, was er vor acht Jahren noch strikt ablehnte: Die Albtraumhochzeit des Jahres steht bevor. Der vom Links- zum Rechtsextremismus konvertierte Advokat Horst Mahler, 71, hat der rechtsextremistischen Rechtsanwältin Sylvia Stolz, 44, ein "Eheversprechen" gegeben. Das jedenfalls verkündete die "deutsche Jeanne dArc", wie die Holocaust-Leugnerin Stolz in den pseudowissenschaftlichen "Vierteljahrsheften für freie Geschichtsforschung" genannt wird, am Donnerstag - gleich nach Beginn des Strafverfahrens gegen sich am Landgericht Mannheim. Die Angeklagte lebt in den Worten des Vorsitzenden Richters Rolf Glenz bereits "in wilder Ehe" im bayerischen Ebersberg. (taz, 16.11.07).

23. November 2007 Der frühere NPD-Anwalt Horst Mahler ist wegen Zeigens des Hitler-Grußes abermals zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden. Das Amtsgericht Cottbus verhängte gegen den einschlägig vorbestraften 71 Jahre alten früheren RAF-Terroristen am Freitag eine Haftstrafe von sechs Monaten ohne Bewährung. (FAZ, 23.11.07).

"Horst Mahler - die bizarrste Figur der gesamten RAF - hatte, wie bislang unbekannte Quittungen zeigen, noch ein halbes Jahr zuvor, im Sommer 1969, der NPD drei Spenden zukommen lassen." In Michael Sontheimer, RAF - Wie alles anfing: High sein - frei sein, Spiegel 37/2007. Diese Meldung bleibt umstritten.

Horst Mahler sitzt wegen seiner Hitlerei in Brandenburg eine 10-jährige Haftstrafe ab. Kürzlich wurde lanciert, er hätte für die Stasi gearbeitet. Das hat er vehement bestritten. Hier ist sein Dementi.

   last update: 28.1.2012

 
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