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Fischer: Hätte in die CDU gepasst

 

Außenminister Fischer erzählt heute vor dem Frankfurter Landgericht aus seiner bewegten Vergangenheit

Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) hat bei seiner Zeugenaussage im OPEC-Prozess heute seine erste Begegnung mit dem ehemaligen Terroristen Hans-Joachim Klein geschildert. Er kenne ihn aus der Frankfurter Sponti-Szene der 70er Jahre, sagte Fischer. Seine Erinnerungen an die Zeit der Studentenunruhen fasste er so zusammen: "Man fühlte sich wie Fremde im eigenen Land." Viele hätten den Demonstranten gesagt, sie sollten "nach drüben" gehen, also in die DDR.

Fischer wirkte vor Gericht sehr entspannt. Gut gelaunt beantwortet er dem Richter Fragen nach seiner Person. Auf Fragen nach der Vergangenheit antwortete er sehr ausführlich und schilderte Szenen aus dem Häuserkampf. Bei der Schilderung seiner Jugendzeit bemerkte Fischer, er wäre "eigentlich der ideale Kandidat für die Junge Union gewesen." Wann er Klein das letzte Mal gesehen habe, wisse er nicht mehr.

"Wir mochten Klein", sagte Fischer. Klein sei mehr emotional und weniger intellektuell gewesen. "In der Szene hieß er liebevoll, aber auch ironisch Klein-Klein." Der Angeklagte saß bei der Zeugenaussage Fischers völlig regungslos auf seinem Platz. Er blickte kaum auf, sondern starrte die meiste Zeit

vor sich hin. Der Minister hatte ihn beim Betreten des Gerichtssaals mit einem kurzen Nicken begrüßt.

Der 53-jährige Klein muss sich seit Oktober wegen Mordes und Geiselnahme vor Gericht verantworten. Er hatte am 21. Dezember 1975 an dem Überfall auf die Wiener OPEC-Konferenz teilgenommen, bei dem

drei Menschen getötet worden waren. Zu Beginn des Prozesses hatte er den heutigen Vizekanzler als Freund und Vorbild bezeichnet.

Vor seinem heutigen Auftritt war Fischers früheres Verhältnis zur Gewalt in die Diskussion geraten, nachdem Fotos aufgetaucht waren,

die ihn beim Verprügeln eines Polizisten zeigten. Vermutungen, er sei an einem Brandanschlag auf ein Polizeiauto beteiligt gewesen, bei dem ein Polizist schwer verletzt worden war, hatte er stets zurückgewiesen. Der Angriff soll heute vor Gericht kein Thema sein - der Vorsitzende Richter Gehrke sieht keinen Zusammenhang mit dem Anschlag auf die OPEC-Konferenz.

Bereits Stunden vor Fischers Ankunft warteten Dutzende von Menschen vor dem Landgericht. Für die Aussage waren 81 Pressekarten und rund 60 Besucherausweise ausgegeben worden (siehe Seite 3). habe/por/ap

 Frankfurter Rundschau vom 17.1.2001

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