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Wörterbuch

militant

 

"Ja, ich war militant", hat Bundesaußenminister Joschka Fischer über seine Frankfurter Vergangenheit gesagt und muss nun allenthalben mehr darüber erzählen.

Dabei ist militant ein Wort, das es gar nicht gibt - jedenfalls nicht in diversen Nachschlagewerken, in denen es irgendwo zwischen Milieu und Milliardär auftauchen sollte. Das mag daran liegen, dass der Begriff erst im vergangenen Jahrhundert richtig durchschlagenden Erfolg hatte: als Begleiter der Studentenbewegung von den späten 60er Jahren an. Seinen Ursprung aber hat militant laut Kluges etymologischem Wörterbuch im lateinischen Partizip militans, und das bedeutet kämpfend, kämpferisch.

Das Institut für deutsche Sprache kam 1989 zu der Erkenntnis, dass sich eine "stets negativ wertende Verwendung" bis hin zum "innenpolitischen Feindwort" verfestigte: Als militant würden nun tendenziell "auch friedliche Teilnehmer an einer mit Ausschreitungen verbundenen Demonstration" eingestuft, heißt es in "Brisante Wörter - ein Lexikon zum öffentlichen Sprachgebrauch" des Instituts. Der Ausdruck diene zur Ausgrenzung und Diffamierung politischer Gegner.

Und nicht nur in der Politik. Die Wortkonstruktion "militanter Nichtraucher" etwa hat sich so in der Umgangssprache verfestigt, dass sich beinahe alle dem Vorwurf der Militanz ausgesetzt sehen, die sich nichts aus den Verbrennungsprodukten getrockneter Blätter machen - auch wenn sie in Ausübung ihrer Nichtraucherei nachweislich nie jemanden verprügelt haben.

Unmissverständlich drückt sich die Duisburger Initiative RAI auf ihrer Internet-Seite www.militant.de aus: Sie kündigt an, "mit allen Mitteln und auf allen Ebenen" gegen Nazis zu kämpfen. (ill)

 Frankfurter Rundschau vom 17.1.2001

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