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Gretchen Dutschke

Rede zur Einweihung des Rudi-Dutschke-Weges

Liebe Freunde,

ich freue mich und ich hoffe, Ihr, die Ihr gekommen seid, freut Euch auch!

Hier wird ein Weg nach Rudi Dutschke genannt. Ich bedanke mich bei der Initiativgruppe, die sich solange bemüht hat, trotz so vieler Ablehnungen dafür zu kämpfen. Nun wird diese Universität geehrt durch die Existenz des Rudi Dutschke Weges.

Ich hoffe, es wird ein Weg, der von einer aufregenden, fragenden, kritischen Vergangenheit zu einer Zukunft führt, die wieder nach neuen besseren Möglichkeiten für diese Gesellschaft suchen kann.

Nun .... natürlich hat man schon gedacht, warum sollte nicht ein Platz in dieser Stadt nach Rudi Dutschke benannt werden? Oder eine Chaussee oder eine Straße oder wie Wolf Biermann mal gesungen hat, wenigstens eine Gasse. Er meinte zwar für sich selbst und nicht für Rudi, aber es ist doch eine Idee.

In dieser Stadt fand der erste echte Versuch einer Demokratisierung auf deutschem Boden nach der Nachkriegszeit statt. Das sollte geehrt werden. Die Stadt selbst tut nichts. Ich vertraue darauf, daß unsere Stadtväter und -mütter es noch tun werden, auch wenn es wie ein Wunder erscheinen mag. Aber Wunder geschehen.

Allerdings bin ich enttäuscht, daß heute nicht einer von der Universitätsleitung gekommen ist.

Der Glanz von der schöpferischsten Zeit nach dem Krieg fällt nur auf uns hier Versammelten und die, die sich in Ihrer Verantwortung dazu bekennen sollten, bleiben noch im Dunkeln. Schade.

Was war das für eine Zeit?

Jeder empfand es anders und wie wir sehen, bleibt es kontrovers.

Ich kam damals aus den USA in ein Deutschland, daß einen Schleier von Schrecken über sich hatte, und ich fand eine junge Generation, die bereit war, aufrecht zu gehen.

Ich traf Rudi Dutschke, der voller Ideen war. Ich war begeistert von dem, was Rudi sagte: Es ging um eine Globalisierung, die hieß globale Solidarität gegen globale Ausbeutung. Das betrifft uns heute.

Es ging natürlich auch um Deutschland, das Antiautoritäre und wie es zu verhindern sei, daß jemals wieder Nazismus in Deutschland entstehen könnte. Das war auch eine internationale Frage. Wie ist der Holocaust generell zu verhindern. Das betrifft uns heute auch.

Rudi stand für demokratische Kontrolle jedes einzelnen über das eigene Schicksal bei der Arbeit und in allen Lebensbereichen. Und dann stand er für die Umwelt, gegen Atomwaffen und gegen Atomverseuchung. Alles trifft uns noch heute.

Er stand für eine Wiedervereinigung Deutschlands, die nicht die Überrumpelung einer Seite werden sollte, aber auch nicht eine nationalistische Negierung seiner globalen Sicht. Auch das betrifft uns heute.

Er stand nicht und niemals für ein Dogma. Das fand ich so hervorragend an ihm. Das er immer neu umdenken und umschwenken konnte. Das ist auch heute unsere Aufgabe und soll unser Weg sein!!!