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Kulturzoo

Sollen Islamisten oder andere Fundis ungestraft ihre Frauen misshandeln dürfen? 

e-mail vom 8.2.2004:


Betrifft: "Editorial" des Karl-Heinz Schubert alias Karl Müller in trend-onlinemagazin 2/04

Liebe Gudrun, (Kopien an: Helke; Halina; Hans; Rolf Missbach)

 "Allerdings gehen wir davon aus, dass die Logik des Antisemitismus die Logik des Fremdenhasses ist."

"Alles, was jedoch in diesem Zusammenhang gegen Lebensweisen und -ansichten fundamentalistischer Muslime ins Feld geführt wird, um sie auszugrenzen, findet sich auch in orthodox-jüdischen Lebenswelten."

 Das sind die beiden Kernsätze, die zeigen, wie wenig dieser Mann von der Materie versteht.

1. Für ihn ist der Antisemitismus offenbar nur eine besondere Form des Fremdenhasses. Du hast natürlich völlig recht, wenn Du darauf hinweist, dass Juden eben keine Fremden sind, sondern, wenn überhaupt, zu solchen gemacht wurden oder werden, so übrigens jetzt auch von KHS (Karl-Heinz Schubert), wenn er sie dem "Fremden"hass subsumiert. Der Antisemitismus ist ein Rassenhass, und zwar einer besonderen Art. Ich frage mich, weshalb ich mit diesem Kerl zusammen Marxens Judenfrage, Postones Antisemitismustext, Robert Kurz etc zusammen gelesen und diskutiert habe und dann solcher Müll aus seiner Feder fließt. Der Witz ist doch, dass Antisemitismus auch wunderbar ohne reale Juden funktioniert, es reicht, wenn sie imaginiert werden können. In den deutschen Ostländern leben vielleicht insgesamt 500 Juden, wenn's hoch kommt, aber der Antisemitismus ist dort wesentlich virulenter als selbst in Frankfurt/M, wo es die bekannten Probleme mit Häuserspekulanten gab, die jüdischer Herkunft waren. Antisemitismus hat was mit Kapitalismus zu tun, Islamophobie nicht, höchstens in den Hirnen irgendwelcher durchgeknallten Antiimps wie bei dem zum Islam übergetretenen Carlos. Wer sich die Funktion des Antisemitismus in Bezug auf den Kapitalismus veranschaulichen will, braucht nur Horst Mahlers diverse Websites anzuklicken. Warum kommt der denn völlig ohne Islamophobie oder Anti-Islamismus aus?

2. Islamismus hat natürlich einiges gemeinsam mit jüdischem oder auch christlichem Fundamentalismus. Wer wollte das bestreiten. Die Texte, die KHS ins Netz gestellt hat, sind für sich genommen nicht falsch, nur der Kontext ist verräterisch. Das Ganze soll wohl heißen, na ja, der Islamismus ist nicht ganz astrein, aber die Juden sind auch nicht besser. Diese Konstruktion benötigt er, um zu zeigen, dass das Anti gegen beide gleichermaßen zu richten wäre, also im Umkehrschluss behaupten zu können, der Anti-Islamismus sei das Gleiche wie der Antisemitismus, wobei er hier tatsächlich statt Islamophobie Anti-Islamismus und nicht etwa anti-islamisches Ressentiment geschrieben hat.
Darüberhinaus gibt es aber auch Unterschiede zwischen den abrahamitischen Religionen, so auch in ihren jeweiligen fundamentalistischen Varianten. Das ultraorthodoxe Judentum ist antizionistisch, weil es wie die muslimischen Kalifenfreunde Staatlichkeit ablehnt und nur Gottes Wort gelten lässt. Das Christentum hat durch seine langen geschichtlich negativen Erfahrungen den Gottesstaat ad acta gelegt, was nicht heißen soll, dass es nicht hier und da einige Sekten gibt, die das anders sehen. Fundamental anders ist aber der Charakter des alten und neuen Testaments verglichen mit dem Koran. Letzterer ist Gottes Wort und eigentlich nicht diskutierbar. Nur dort, wo die Gläubigen bestimmte Aussagen nicht unmittelbar verstehen können, sind Interpretationen zulässig. Diese Interpretationen haben eine umfangreiche Literatur, die Hadithe und die Sunna hervorgebracht, die aber auch nicht einheitlich gelesen werden.
Während der Mainstream des Judentums und der Christenheit eine Trennung von Staat und Religion inzwischen als notwendig erachtet, ist diese Frage im Islam keineswegs geklärt. Der Islamismus ist als solcher definiert, weil er bewusst diese Trennung nicht anerkennt und die Sharia als verbindlich zumindest für alle Muslime durchsetzen will. KHS bringt entweder aus völliger Unwissenheit die beiden durcheinander oder er will die Differenz bewusst verschleiern, um seinen Schulterschluss mit reaktionärer Spiritualität vollziehen zu können.

3. Andererseits, wenn er konzediert, dass in allen drei abrahamitischen Religionen Frauenfeindlichkeit konstitutiv dazu gehört, warum kann er sich dann nicht für die französische Lösung erwärmen, anstatt die Burqa zu fördern. Wer A sagt muss auch B sagen. In Großbritannien gibt's inzwischen jede Menge Burqa tragende Schülerinnen in den Klassen. Das ist die Zukunft, wenn sich KHS und Sascha Kimpels Trotzkisten zusammen mit unseren grünen Kulturzoofreunden durchsetzen.

4. KHS faselt was von "ausgrenzen". Wer will denn Islamisten "ausgrenzen"? Wenn Frau Ludin ihr politisch gemeintes Kopftuch vor der zweiten Klasse ablegt (da braucht sie sich nicht mal nackt zu fühlen), wird sie niemand am Unterrichten hindern. Wenn Herr Ludin seine Frau misshandelt, kommt er in den Knast. Soll man dafür kämpfen, dass er nicht bestraft werden kann für die Misshandlung seiner Frau, nur weil er Islamist ist?

 

Der Osama-Pop dieses Sheikh Mohammad Al Mohaisany ist ja köstlich, sollte man in Techno-Clubs zeigen. Ich habe ihn mir dreimal angesehen. Der Sound ist göttlich und die Bilder lassen nichts zu wünschen übrig. Jedesmal ist allerdings mein Computer in die Knie gegangen. Der muss wohl antifaschistisch eingestellt sein. Der arme Kerl ist verhaftet worden, warum gibt's denn keine linke Gruppe, die um seine Freilassung kämpft? Wo bleibt die antiimperialistische Solidarität? Ich vermute, der würde auch bei der Kopftuchdemo mitmarschieren, wenn man ihn nur ließe. Das wär doch was für KHS oder Sascha?

 So, das war mein Wort zum Sonntag.

 Herzlichst

 Günter