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23. Januar 2001   R E I S E  |  P O L I T I K  |  W I R T S C H A F T  
Der Spiegel
F D P - P O L I T I K E R   B A U M

"Hysterische Überreaktionen"


Berlin - Der FDP-Politiker Gehart Baum hat die Haltung seiner Partei in der Debatte um die politische Vergangenheit der Grünen-Minister Joschka Fischer und Jürgen Trittin scharf kritisiert. "Ich halte sie für absolut falsch", sagte er am Dienstag in mehreren Rundfunkinterviews. "Meine Partei verrät eine wichtige Reformphase, an der sie aktiv teilgenommen hat." Er warnte vor einer "Rücktrittsjagd", bei der man "hektisch einen Vorwand sucht, jemandem einen Rücktrittgrund anzuhängen, um Vorteile bei der nächsten Bundstagswahl zu haben".

Baum griff seinen Parteichef Wolfgang Gerhardt direkt an: Er führe "eine Schlacht von gestern auf der falschen Seite. Die FDP war nicht auf der Straße, sie hat keinen Häuserkampf mitgemacht, sie war aber mit Dahrendorf, Scheel, Klug und anderen ein ganz wichtiger Bestandteil der Reformpolitik."

Der frühere Bundesinnenminister verwies auf "hysterische Überreaktionen" des Staates gegen die Bewegung der 68er: "Eine ganze Generation wurde in den Verdacht gezogen, gegen die Verfassung zu sein, und es gab Antiterrorgesetze hart am Rande der Verfassung." Das rechtfertige nicht die Gewalt, aber es erkläre vieles. "Ich möchte nicht in einer Gesellschaft leben, die Veränderung einer politischen Meinung nicht akzeptiert", betonte Baum.