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Streit an der FU um Rabehls

Thesen zur nationalen Identitat

Auslöser war Rede des Ex-Studentenführers vor Burschenschaftlern

Zwischen dem Fachbereichsrat Politik und Sozialwissenschaften an der Freien Universität und FU-Gründungsmitgliedern ist ein offener Streit um Bernd Rabehl entbrannt. Rabehl, einer der Wortführer der Studentenbewegung von '68 und heute lehrender Professor am Otto-Suhr-Institut, hatte in einer Rede vor Münchener Burschenschaftlern beklagt, es gebe eine "politische Überfremdung Deutschlands"; Volk und Kultur würden "zerstört", die "nationale Identität zersetzt".

Der Fachbereichsrat drückte am Mittwoch sein "Befremden" über die Thesen Rabehls aus. Mit sechs gegen zwei Stimmen (bei zwei Enthaltungen) stimmte der Rat einem entsprechenden Text der Professoren Hajo Funke und Gerhard Göhler zu. Dabei beruft sich das Gremium auf die liberalen Traditionen und den Gründungsgeist des Institutes". "Die Gründer waren vor allem Angehörige des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus und Emigranten, die vor dem Nationalsozialismus geflohen und mit dem Ziel zurückgekehrt waren, zu einer liberalen Politik und Kultur im Nachkriegsdeutschland beizutragen." Vor diesem Hintergrund sei es unerträglich, wenn sie von Rabehl dafür diffamiert werden, dass sie die "nationalen Eliten" entmachtet hätten. Rabehls Thesen seien zwar wissenschaftlich irrelevant, widersprächen aber zutiefst der Gründungsphilosophie des Institutes.

Auf die Frage, welche Bedeutung ein solcher Beschluss hätte, meinte Funke gestern gegenüber dem Tagesspiegel, es handle sich dabei lediglich um eine "wissenschaftspolitische Erklärung ohne berufspolitische Relevanz". Es werde über Rabehl kein Rede und Denkverbot verhängt, gleichwohl sei es eine "Aufforderung, sich solchen rechtsextremen Unsinns zu enthalten".

In einer eigenen Erklärung nahmen unterdessen drei ehrwürdige Gründungsmittglieder der FU, Ursula Besser (Stadtälteste von Berlin), Horst Hartwich (Ehrenbürger der FU) und Professor Karol Kubicki mit der Matrikel-Nr. 1 der FU, Bernd Rabehl in Schutz. Sie teilen die gegen ihn erhobenen Vorwürfe in keiner Weise. Die Emigranten würden nicht diffamiert, Rabehl sei kein Rechtsradikaler, kein Rassist und auch kein Faschist, wie es einige Studenten behaupteten. Die Drei Ur-FU-ler: "Die Universität war in ihrer 50-jährigen Geschichte verschiedensten Angriffen auf ihre Freiheit ausgesetzt, hat jedoch niemals gegen eines ihrer Mitglieder Verbote oder öffentliche Verurteilungen ausgesprochen, nur weil diese von ihrem Recht auf Meinungs- und Redefreiheit Gebrauch gemacht haben. "Dieses Prinzip", betonen sie, "galt für Herrn Rabehl während der Studentenrevollte und sollte weiterhin gelten, auch wenn er ( ... ) nicht mehr mit seinen einstigen politischen Freunden übereinstimmt."

In einer weiteren Erklärung, für den Alternativ-Undogmatischen Mittelbau der FU, hat sich auch Siegward Lönnendonker zu dem Beschluss des Fachbereiches geäußert. Er findet es vor allem befremdlich, dass das FU-Gremium in keiner Weise erwähne, "welche Aktionen von antifaschistischen' Aktivisten gegen Herrn Rabehl durchgeführt wurden". indem keinerlei Bezug auf die tätlichen und verbalen Angriffe gegen Rabehl genommen werde, müsse bei den "antifaschistischen" Aktionisten der Eindruck entstehen, "dass ihr Tun von Institutionen der FU zumindest billigend in Kauf genommen wird".

BENEDICT MARIA MÜLDER