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Hannelore:

"Das System Kohl ist mein Tod!"

Da grübelt die Republik, wem Helmut mit Ehrenwörtern verpflichtet zu sein vorgibt und niemandem fällt auf, dass er seinen ehelichen Christenschwur gegenüber seiner Gattin längst gebrochen hat. Männern, zumal sie viel Geld zu haben scheinen, bleibt er ohne Rücksicht auf Verluste treu bis in den Tod, lieber verlor er Amt und Würden und wurde kriminell, als seinen Amtseid, Schaden von Deutschland abzuwenden, zu erfüllen. Seiner Frau allerdings gegenüber, der er sich mit seiner Heirat zu Treue verpflichtet hat, scheint dies in gleichem Maße nicht zu gelten. Das Verhältnis von Männern unter sich hat nach wie vor einen höheren Stellenwert als das Verhalten von Männern gegenüber Frauen, egal durch welchen Vertrag auch immer die Leute untereinander verbunden sind. Erschwerend für den Ex-Kanzler kommt hinzu, dass er gar nicht durch Verträge mit seinen Koffergebern verbunden ist, sondern nur durch sein "Ehrenwort". Welche Ehre aber meinte er? Es handelt sich keinesfalls um eine zivile, bürgerliche Ehre, vielmehr rekurriert er auf eine archaische Ehre, die mit modernen Verhaltensnormen nicht mehr in Einklang gebracht werden kann. Bestenfalls entspricht sie dem Benimmkodex feudaler Zeiten, bzw. unter heutigen Bedingungen den Umgangsformen der Mafia. Jetzt ist das Geheimnis gelüftet, was konservative Werte im merz-merkelig-stoiberigen Deutschland bedeuten: die Gier nach Macht, die Errichtung glitzernder Fassaden, die todbringende Verteidigung des Patriarchats, statt Ehe- und Familienglück Einsamkeit, Krankheit und Verzweiflung. Sprechen wir es ruhig aus: Kohl hat seine Frau durch sein Verhalten in den Tod getrieben. Er sitzt seelenruhig in Berlin und lässt sie in der Oggersheimer Gruft verrecken, Hand an sich selbst legen. Er kannte ihre Krankheit und statt sich um sie zu kümmern, spielte er weiterhin Politik in der fernen Hauptstadt.

Eben hatten wir noch die republikweite Diskussion um 68. CDUler werden nicht müde, den APO-Veteranen hasserfüllt vorzuwerfen, sie hätten die Familie zerstören wollen und merken nicht, dass die damaligen Kommunarden, geschult durch die von nazistischen Familienfreunden exilierten "Frankfurter" Intellektuellen, das Kohlsche Verbrechen klarsichtig voraussahen und nach Prävention suchten. Aber greifen wir nicht vor.

Zunächst die Fakten: Hannelore Renner, geb. am 7. März 1933, 2 Tage nach der letzten (bereits von den Nazis terroristisch organisierten) Wahl vor dem 2. Weltkrieg, Kommunisten und Anarchisten saßen bereits im gerade eingerichteten KZ Sachsenhausen oder waren auf der Flucht, von Geburt an also aufgewachsen mit faschistischer Propaganda zur Rolle der Frau und Familie, ihr Papa entwickelte für die Reichswehr die Panzerfaust, mit 12 Jahren die Vergewaltigungen der russischen Sieger erlebt, früh erwachsen gefühlt, übergesiedelt von Döbeln in Sachsen ins westliche  Ludwigshafen, Sportschützin, Fremdsprachensekretärin, einen Pfälzer geheiratet, Vollzeit-Hausfrau, dem Mann die Dissertation getippt/geschrieben, zwei Kinder (Peter und Walter) in die Welt gesetzt und allein groß gezogen, ihrem Helmut und dem Vaterland gedient, die Republik repräsentiert, Zentralnervengeschädigten geholfen, trotzdem immer einsam gewesen, den Hund vollgeheult, die Geldaffären, die Korruption gedeckt oder nicht zur Kenntnis genommen, schließlich lichtscheu geworden (Quelle: Der Stern vom 10.7.01).

Sie hatte ihm alles verziehen. Sie demonstrierte Gemeinsamkeit und fuhr mit ihm alljährlich an den Wolfgangsee und half ihm damit, den Bundesbürgern ein falsches Vorbild von heiler Ehe, heiler Familie, heiler Welt vorzugaukeln. Helmut wollte den deutschen Landsleuten ein konservatives Beispiel bieten, "signalisieren, dass die wilden Jahre der 68er Kulturrevolution, die sich im bescheidenen Umfang auch in den emanzipatorischen Auftritten der Ehefrauen sozialdemokratischer Kanzler widerspiegelten, überwunden sein sollten" (Spiegel). Als niemand ihren Helmut mehr haben wollte, hielt sie trotzdem zu ihm. Sie kümmerte es nicht, dass sein Filz, seine mafiotischen Machenschaften, dass der Aufbau einer nur auf (Schmier-)Geld basierenden geheimen  Nebenstruktur innerhalb seiner eigenen Partei demokratische Prozesse außer Kraft setzten, seine Geldkoffer den Ruf Deutschlands schwer schädigten, auf der internationalen Korruptionsskala die BRD vom 14. und auf den 20. Platz abfiel, er sich mit Leuten umgab, um seine und deren Taten nicht ans Licht gelangen zu lassen, Akten zu vernichten, Spuren zu verwischen, Staatsanwälte zum Nichtstun zu bringen, er immer mehr zunahm, zum Panzer wurde. Als das Volk ihn endlich abwählte, dachte sie, nun wäre ihre Zeit gekommen. All die Jahre versorgte sie ihn mit ihrer unerschöpflich erscheinenden Energie, machte sich dadurch objektiv mitschuldig an den Skandalen, an der Stagnation, an der moralischen und kulturellen Erosion in Deutschland. 

Kein Wort des Widerspruchs fand sie als Helmut heuchlerisch von politisch-moralischer Wende faselte, nachdem er Schmidt ausbootete. Stattdessen sah sich damals Hanns-Martin Schleyer veranlasst, seinen Freund zurechtweisen: "Helmut, du musst das Zigeunerlager auflösen, samt der Marketenderin." Gemeint war Juliane Weber, die mit Helmut und dem Chauffeur Eckhard Seeber schon damals unter einer Decke steckte und eine heimliche WG im Bonner Vorort Pech unterhielt. Das gleiche Schweigen als Helmut mit Seiters, Schäuble und Co. die rassistische Raserei der neuen Bundesbürger in Hoyerswerda, Greifswald und Rostock-Lichtenhagen nicht etwa bekämpften, sondern für eigene Wahlziele nutzbar machten. Sie ließ es zu, dass Junior Peter seine neue Flamme, die Industriellentochter Elif Sözen, aus der Türkei 12 Jahre in London unter Verschluss halten musste. 

Hannelore nahm alles in Kauf, hatte so viel geopfert. Nachdem das Volk  Helmut abwählte, hoffte sie, etwas Wärme bekommen zu können, die sie so bitter nötig hatte, dass er zurück nach Oggersheim kommen würde. Sie vergaß dabei ihre alte Erkenntnis: "Wenn er da ist, schweigen wir uns die ganze Zeit an". Helmut dachte gar nicht daran heimzukehren. Stattdessen umgab er sich vermehrt mit Juliane und  seinen Polit-Lakaien in Berlin, vielleicht auch um seinen und damit auch ihren Ruf zu retten, wer weiß. Sicher ist, sie blieb mutterseelenallein zurück in der Kälte und seine lichtscheuen Aktionen wirkten bis zu ihr nach Oggersheim. 

Es begann vor 7 Jahren mit einer Penicillin-Allergie, in deren Folge, so wird behauptet, sie erstmalig auch gegen Licht empfindsam wurde. Damals ließ sie sich noch erfolgreich therapieren. Parallel zur Aufdeckung der dunklen Machenschaften ihres Ehegatten und der Ausweglosigkeit ihrer Beziehung zu ihm, entwickelte sie zunehmend größere Probleme mit dem Licht. Die zeitliche Entsprechung des politischen und persönlichen Niedergangs mit der Zunahme von Depressionen ist kaum als Zufall zu werten. Je mehr Licht in das Gestrüpp des Systems Kohl fiel, desto schmerzhafter wurde die Erkenntnis, dass er den demokratischen Prozess und die Ehe ruiniert hatte. Er legte sich einen immer größeren Panzer nach außen zu, wurde immer dicker, sie panzerte sich ab nach innen und wurde krank. Sie lernte die Gefährlichkeit des Lichts kennen und konnte am Ende den Spagat nicht mehr aushalten, im Rampenlicht zu stehen, andererseits aber das Licht als Bedrohung sehen zu müssen. So begann sie, das Licht (und sogar die Wärme) insgesamt zu meiden. Sensible Menschen, die lange das Licht scheuen, können es am Ende nicht mehr ertragen, entwickeln sogenannte Allergien. Kein Mediziner kennt die Hannelorsche Lichtallergie, das ist auch unmöglich, sie ist sozial, psychosomatisch vermittelt, in der Volkssage den Vampiren zugeschrieben, die sich wie Hannelore tagsüber in kühle Grüfte zurückziehen müssen, in die kein Sonnenstrahl hineinfallen darf, andernfalls sie zu Staub zerfallen. 

Sonnenallergie ist nicht die einzige Reaktion auf die Lichtproblematik. Eine andere ist der Verlust der Sehkraft. Ist es wirklich nur Zufall, dass Ede Ackermann, der ehemalige Kanzleramtsleiter und getreue Intimus des abgehalfterten Kanzlers blind geworden ist? Oder ist auch bei ihm eher eine psychosomatische Reaktion auf die dunklen Machenschaften seines Chefs zu vermuten?

Was steht nun in Hannelorschens Abschiedsbriefen? Ihre Schmerzen wären zu groß, schrieb sie. Jeder Arzt oder Junkie wüsste hier Rat: Genehmige dir alle 8 Stunden einen Schuss Morphium und du bist alle Sorgen los.  Morphium in Maßen ist das beste Schmerzmittel, das es gibt, wenn man es richtig dosiert. Ihr behandelnder Arzt hat sie darüber aufgeklärt und ihr die entsprechenden Mengen zur Verfügung gestellt. Sie hielt sich aber nicht an seine Anweisungen, sie mixte eine Überdosis mit einem Anabolikum (Nandrolon) für ihren "goldenen" Drink. Ihr Suizid beweist, körperliche Pein kann nicht das Problem gewesen sein. Ihr Seelsorger, Ramstetter, verrät uns die Wahrheit, es waren die Seelenqualen. Otto Schily dozierte bereits 1974 im Spiegel Nr. 47, woran Hannelore später sterben würde: "Wird die soziale Kommunikation ... auf ein nicht mehr erträgliches Maß reduziert, geht der (Mensch) zugrunde, nicht anders, als wenn ihm die Nahrung verweigert oder auf ein nicht mehr ausreichendes Maß verringert wird". Das war damals gegen die Isolationsfolter gerichtet. 

Hier muss jetzt natürlich der Einwand kommen, sie hatte doch Kinder und einen Hund, sowie die Außenwelt, wenn Helmut sie auf Entzug gesetzt hatte.   Dieses Argument geht an der Tatsache vorbei, dass die Jungs längst flügge waren, der eine sogar gerade nach 12 Jahren heimlichen Zusammenlebens seine anatolische High Society Dame (ohne Mama, aber mit Juliane) in Istanbul heiratete, Sohn Walter, verheiratet mit einer Christine aus Köln,  dort auf deutsche Kameraleute einschlug und Schäferhund Igo über Schwanzwedeln und Bellen sowieso kaum hinauskam. Darüber hinaus war ihr nicht mal Igo immer sicher, zeitweilig nahm Helmut selbst ihn mit auf seine Trips. Der Außenwelt konnte sie sich aus ideologischen Gründen nicht zuwenden, laut Dona Kujazinsky (Bild) hasste sie die Öffentlichkeit und ihr Seelsorger war verpflichtet, das Beichtgeheimnis zu wahren. Sie war eine gute preußische Christin, Scheidung jenseits ihres Denkvermögens. Hitler hätte ihr sicher das Große Frauenverdienstkreuz zuerkannt. Es gab einfach keinen Ausweg mehr, der Körper versagte ihr mehr und mehr den Dienst, die Psychosomatik forderte ihren Tribut. Aus Angst vor dem "großen Licht", der Wahrheit, der Erkenntnis, dem Leben, verkroch sie sich ins Dunkle, ins Tiefe, und als sie sich der Hölle zu nahe wähnte, riss sie mit letzter Anstrengung das Ruder rum und trat ins "ewige Licht". Aus religiöser Sicht opferte sie ihr Seelenheil.

Helmut steht trotz Hannelores deutlicher Demonstration, trotz ihres Opfers,  weiterhin bemerkelt und unbelehrbar an der Seite Juliane Webers, seiner Helferin in allen politischen und Lebenslagen. Seit Hannelores Tod hat er nicht ein einziges Pfund abgenommen, keine Reue gezeigt, dem Männerschwur gegenüber seinen Geldgebern nicht entsagt oder etwa der Politik endgültig den Rücken gekehrt. Nichts von alledem, keine Warnung an die Schröders ("Ich will hier rein"), Fischers ("Krieg ist Frieden"), Steffels ("Die CDU ist kein Filz"), von dem Machtwahn abzulassen, sich besser ihren Frauen zu widmen. Stattdessen setzt er noch einen drauf und lässt seinen Seelsorger Erich Ramstetter am Grab auf die Medien eindreschen, die aufgrund ihres Aufklärungsbegehrens bezüglich der schwarzen Koffer und Leuna angeblich eine Hatz auf das 41 Jahre verheiratete Ehepaar Kohl geführt und damit Hannelore in den Tod getrieben hätten. Der wackere Katholik hätte besser mal die Gästeliste gecheckt, kaum Freunde von Hannelore, nur seine, es ging wieder nur um Helmut, um Politik. Aber was will man schon von einem Monsignore erwarten, der bekanntlich zölibatär zu leben hat und familiäres Leben nur durch die patriarchale Bibelbrille betrachtet.

In Den Haag klagt Carla del Ponte den Ex-Obermacho des Balkan an, aber wo sind die Frauen (und emanzipierten Männer), die den deutschen Obermacho vor ein Tribunal stellen? Das sind wir Hannelore wenigstens schuldig, hat sie doch die Heuchelei der Werte-Ideologen auf die ihr einzig mögliche Art all ihren alten Bewunderern um die Ohren gehauen, ihre jahrzehntelange etatistische Liebedienerei widerrufen, dem religiösen Dünkel entsagt, die Entscheidung in die eigene Hand genommen, sich damit schwerstens gegen Gott versündigend. Helmut zeigte uns bisher nur 3 der 8 (gefälschten?) Abschiedsbriefe, die rückwärts gewandt die Verhältnisse verkleistern. Doch Taten sprechen mehr als Worte, sie hat ihre Mitschuld am System Kohl getilgt, ihr Opfer darf nicht umsonst sein, sie hat sich zuguterletzt qualifiziert für die Aufnahme in den Club des Feminats.

Nachfrage: Was wird aus Juliane Weber? Oder ist sie gar keine Frau? Heiratet sie ihn? Die Antwort findet sich im zweiten Teil der Serie unter dem Titel "Patria o Muerte", womit wir endlich wieder bei den Faschisten wären.

12.7.2001

Günter Langer