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Spiegel, 13.2.2013

68er-Vordenker: 

Christian Semler ist tot

Vom Studentenbeweger und Maoisten zum Journalisten: Christian Semler war Weggefährte Rudi Dutschkes, später Mitbegründer der maoistischen KPD/AO und seit 1989 unverzichtbarer Autor der "taz". In der Nacht zum Mittwoch ist er gestorben.

Berlin - Die Redaktion der linksalternativen Tageszeitung "taz" trauert um ihren langjährigen Autor und Vordenker Christian Semler.

Semler, Sohn der Kabarettistin und Schauspielerin Ursula Herking und des CSU-Mitbegründers Johannes Semler, trat bereits 1957 in den Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) ein und war dort maßgeblich an der Ausarbeitung der politischen Strategie und an der Planung und Ausführung von Demonstrationen und Kampagnen beteiligt. Im Oktober 1967 führte Semler gemeinsam mit Rudi Dutschke und Bernd Rabehl in der Zeitschrift "Kursbuch" ein "Gespräch über die Zukunft", in welchem die Ziele der damaligen Studentenbewegung erörtert und vorgegeben wurden.

"taz"-Autor Christian Semler: Stratege der Studentenbewegung

1970 war Semler Mitbegründer und später Vorsitzender der maoistischen Kommunistischen Partei Deutschlands Aufbauorganisation (KPD/AO). Nach der Auflösung der KPD/AO engagierte sich Christian Semler im Komitee "Solidarität mit Solidarnosc". Seit 1989 arbeitete er als Autor für die "taz" - von seinen Kolleginnen und Kollegen geschätzt als höchst belesener, undogmatischer und stets offener Gesprächspartner und Ratgeber. 2009 erhielt Semler der Otto-Brenner-Preis für sein journalistisches Werk. 2010 wurde er vom polnischen Staatspräsidenten Bronislaw Komorowski mit der Dankesmedaille des Europäischen Zentrums der Solidarnosc ausgezeichnet.

In der Nacht auf Mittwoch ist Christian Semler im Alter von 74 Jahren nach langer Krankheit verstorben.

kuz