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Der
politische Islam - Die neue Bedrohung
Der amerikanische Holocaust-Forscher Daniel
Jonah Goldhagen warnt vor einer völlig neuen, breit gefächerten
interkontinentalen Intifada:
Der politische Islam – eine ebenso
aggressive wie totalitäre Bewegung – befindet sich jetzt
vollständig in der Offensive. Er ist auf dem Vormarsch an den drei
wichtigsten Schauplätzen der Politik: auf den Straßen, in den
Schaltzentren der Macht und an den Kriegsfronten.
Innerhalb nur weniger Wochen haben wir dreierlei erlebt: die bislang
weitreichendste und gewalttätigste gesellschaftliche Mobilisierung
des politischen Islams – ausgehend von Europa, über den Nahen Osten
bis nach Asien – als Reaktion auf die dänischen Mohammed-Karikaturen;
die bedeutsamste Übernahme politischer Macht seit der iranischen
Revolution vor einem Vierteljahrhundert durch die unverhohlen auf
Vernichtung zielende und messianisch-islamische Hamas-Partei;
und einen säbelrasselnden Iran, der durch die Wiederbelebung seines
Atomprogramms die bedrohlichste militärische Entwicklung des
politischen Islams einleitete, seit Saddam Hussein versuchte, mit dem
Einmarsch in Kuwait im Jahr 1990 den Golf (und damit die ganze Welt)
in den Würgegriff zu nehmen.
So verstörend jede dieser drei Entwicklungen
für sich genommen auch sein mag, wir würden ihre tiefere Bedeutung
übersehen, wenn wir deren fundamentalen Zusammenhang verkennen. Sie
sind auf unheilvolle Weise wichtiger als die Summe ihrer Einzelteile.
In der zunehmenden gesellschaftlichen und politischen Mobilisierung
des politischen Islams sind die Züge dessen zu erkennen, was sich später
einmal zu einer völlig neuen, breit gefächerten interkontinentalen
Intifada ausweiten kann.
Auf den Straßen im Nahen Osten, in Asien und
in vielen Teilen Europas drohen islamische Protestler dem Westen. Auf
einem Marsch durch London schwenkten sie Transparente mit hetzerischen
Aufschriften wie: »Massakriert alle, die den Islam beleidigen«, »Schlachtet
die ab, die den Islam verspotten« und »Europa, dein 11. September
naht«.
Im Gaza-Streifen verlangten die Demonstranten, dass den Karikaturisten
die Hände abgehackt werden, und ein Imam verkündete vor 9000 Gläubigen
in der Omari-Moschee: »Wir werden nicht eher ruhen, bis den
Verantwortlichen die Köpfe abgetrennt wurden.« Das ist nicht normale
Politik. Das sind nicht einmal die normalen Auswüchse normaler
Politik.
Als Regierungspartei ist die Hamas im Aufwind,
im Gepäck die wahnwitzige antisemitische und todbringende islamische
Ideologie und Praxis, die in ihrer Charta verankert ist. Dort steht
geschrieben, es sei »Allahs Verheißung«, dass »Muslime die Juden
bekämpfen (und töten)«.
Chaled Maschal, der oberste Anführer der Hamas, unterstreicht, dass
die Hamas ihre Ziele nie aufgeben wird: »Die Hamas hat eine Vision.
Die Hamas hat einen Plan. Die Hamas kann den politischen Kampf
meistern, so wie sie den militärischen Kampf gemeistert hat, jedoch
mit einer anderen Sprache, mit anderen Mitteln – und die Anerkennung
Israels gehört nicht dazu.«
Maschal sagte dies in der Folge seines
Wahlsiegs in einer langen, beklemmenden Rede nach dem Freitagsgebet in
einer Moschee in Damaskus. Als seine Zuhörer, befeuert von seiner
Rede, »Tod Israel! Tod Israel! Tod Amerika!« skandierten, gab sich
Maschal einem schauderhaften Wunschtraum hin:
»Bevor Israel stirbt, muss es erniedrigt und entehrt werden. So Allah
es will, werden sie vor ihrem Tod jeden Tag Erniedrigung und Entehrung
erfahren … So Allah es will, werden wir ihnen das Augenlicht rauben,
werden wir sie um den Verstand bringen.«
Die Person, die auf bedrohlichste Weise den zeitgenössischen
politischen Islam vertritt, ist nicht Osama Bin Laden, sondern Mahmud
Ahmadinedschad, der iranische Präsident, mit dem die Hamas eine
Allianz bildet.
Ahmadinedschad trotzt dem Westen mit Aufsehen
erregender Dreistigkeit. Er leugnet den Holocaust und schwingt sich
selbst zum Gebieter über die Wahrheit auf. Er verkündet, Israel gehöre
»von der Weltkarte getilgt«. Er besteht auf seinem Streben nach
einer »islamischen Atombombe«.
Massenmord – in Wort und Tat – ist das Markenzeichen des
politischen Islams. Er kommt im so genannten Selbstmordattentat zum
Tragen, einem Grundtypus des Völkermords, für das die
Hamas-Regierung gerade, nach der jüngsten Bombenexplosion in Tel
Aviv, ihre anhaltende Unterstützung bekräftigt hat.
Massenmord in großem Stil wird vom islamischen Regime des Sudan in
Darfur praktiziert, auch Al-Qaida bekennt sich dazu und übt ihn ganz
offen aus. Man stelle sich nur vor, Al-Qaida hätte an besagtem Morgen
im September eine einsatzfähige »islamische Atombombe« in Händen
gehabt.
SZ
vom 27.4.06
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