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Charles Darwin erregt erneut die Gemüter. Während die muslimische Welt ihn praktisch gar nicht erst zur Kenntnis genommen hat, wollen konservative Christen seine Lehre von der Evolution nun auch in den “westlichen Demokratien” diesseits und jenseits des Atlantiks zumindest relativiert sehen. Der einflussreiche Kardinal Christoph Schönborn, ein enger Vertrauter von Papst Benedikt XVI, führt zur Entstehung der Welt in einer Katechese in Wien am 2. Okt. 2005 aus: “Es ist völlig der Vernunft entsprechend, Sinnhaftigkeit, ‘design’ anzunehmen...”[1] Er fühlt sich vom neuen Papst unterstützt, der ihn im April, also noch vor dessen Ernennung, zu einem Artikel in der New York Times ermuntert habe. Dort war bereits am 7. Juli 2005 zu lesen: “Evolution im Sinne einer gemeinsamen Herkunft mag wahr sein, aber Evolution im neo-darwinistischen Sinn – als ungeführter, ungeplanter Prozess zufälliger Veränderungen und natürlicher Auslese – ist es nicht”.[2] In einer Studie zum Zusammenhang von Religiosität und Akzeptanz wissenschaftlicher Erkenntnisse kommt der Wissenschaftsautor Gregory S. Paul aus Baltimore, Maryland, zu dem Schluss, dass sich diese beiden Faktoren in den demokratischen Staaten negativ zueinander verhalten. Je geringer die Bevölkerung religiös ist, desto größer ist die Akzeptanz der Evolutionstheorie und umgekehrt, je religiöser eine Bevölkerung eingestellt ist, desto mehr wird die Evolutionstheorie in Frage gestellt[3]. Schönborns Vorstoß, unterstützt vom Kardinal Ratzinger, dem jetzigen Papst, kam nicht zufällig. Ein stärkeres Zusammengehen zwischen konservativen Katholiken diesseits und jenseits des Atlantiks bahnte sich schon in der Wiederwahlkampagne für G.W. Bush an, bei der Rom gegen den katholischen Kandidaten John Kerry Stimmung machte zugunsten dessen christlich “wiedergeborenen”, protestantischen Widersachers. Die USA dienen konservativen Katholiken offenbar als Vorbild, bekennen sich doch dort mehr als 90 Prozent zum Glauben an Gott[4]. In den anderen modernen Demokratien sind das meistens weniger als die Hälfte, am wenigsten in Japan, Frankreich und den skandinavischen Ländern. Schönborn wurde zu seinem New York Times Artikel angeregt von Mark Ryland, Vize-Präsident des “Discovery Institute”[5] in Seattle, das die Idee eines “intelligenten Plans” (“intelligent design”[6]) verbreitet. Die Verschiedenartigkeit und Komplexität des Lebens auf der Erde könne nicht erklärt werden ohne die Vorstellung einer Intervention eines irgendwie gearteten Planers (“designer”).[7] Der Materialismus soll auf wissenschaftlicher Basis herausgefordert werden in der Absicht, einige der von ihm angeblich verursachten destruktiven kulturellen Konsequenzen zu beseitigen. Dafür verwenden sie eine Strategie des Keils (“Wedge-Strategy”[8]). Sie definieren die Schöpfertheorie (“creationism”) um in eine Form des “Intelligent Design”, die ihrerseits in den wissenschaftlichen Mainstream eingeführt werden und nach und nach die auf Darwin beruhende Wissenschaft zerstören soll.[9] Die Schöpfertheorie wurde 1987 in einem Urteil des US-Bundesverfassungsgerichts (Supreme Court, Edwards v. Aguillard) als religiöse Lehre beurteilt, die nichts in staatlichen Klassenzimmern Louisianas oder in anderen Bundesstaaten zu suchen habe. Vertreter des Intelligent Design versuchen nun zu beweisen, dass diese Theorie keine Neuauflage des Kreationismus sei, indem sie auf Sokrates, Plato und andere Autoren verweisen, die als Vorläufer für ihr Konzept vereinnahmt werden. Der Terminus selbst fand erstmalig Verwendung 1897 in einem Aufsatz eines Wissenschaftlers aus Oxford, Ferdinand C. S. Schiller. Der Discovery Institute Autor Jonathan Witt terminiert den Beginn der Intelligent Design-Bewegung in die Siebziger des letzten Jahrhunderts[10], andere hingegen erst in die Neunziger[11]. Stephanie Schneider fasst die Intelligent-Design-Diskussion bezüglich einiger Ergebnisse der modernen Forschung in Biologie, Mikrobiologie, Chemie, Physik und Astronomie in einer Telepolis-Artikelserie zusammen[12]. Kernthese der Intelligent-Design-Verfechter ist, dass pure Evolution nicht die neu entdeckten komplexen Strukturen hervorgebracht haben könnte. Ein Plan, ein Design, von wem auch immer, müsse in Erwägung gezogen werden. Im Unterschied zur Schöpfertheorie, die sich ausdrücklich auf Gott und die Bibel bezieht, wird in der Design-Version der unterstellte Planer nicht explizit benannt. Da also nicht auf eine bestimmte Religion Bezug genommen wird und die moderne Wissenschaft die Nichtexistenz eines Designers nicht nachweisen könne, beanspruchen Witt, Schönborn, Benedikt usw. die Wissenschaftlichkeit für sich und behaupten, wer den Materialismus als bewiesen annähme, hätte unzulässigerweise anerkannte Grenzen wissenschaftlichen Arbeitens überschritten. Das sei, so sagt Schönborn, “Ideologie”, “Weltanschauung”[13]. Er will nicht den “emanzipierten” Menschen,”der Gott nicht mehr als Erklärung” benötigt, “der ihn vielleicht überhaupt nicht mehr braucht”[14]. Papst Benedikt-XVI wird noch deutlicher: “Ein besonders tückisches Hindernis für die Erziehungsarbeit stellt heute in unserer Gesellschaft und Kultur das massive Auftreten jenes Relativismus dar, der nichts als definitiv anerkennt und als letzten Maßstab nur das eigene Ich mit seinen Gelüsten gelten läßt…”[15] Am 15. August, dem Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel, sprach Benedikt XVI in seiner Festpredigt davon, dass die Präsenz Gottes “im privaten und im öffentlichen Leben” dringend notwendig sei. Diese Präsenz – zum Beispiel in Form der Kreuze in vielen italienischen öffentlichen Gebäuden – sei von entscheidender Bedeutung, "denn nur, wenn Gott präsent ist, haben wir eine Orientierung, eine gemeinsame Ausrichtung; wenn nicht, werden Dispute nicht gelöst werden können, da unsere gemeinsame Würde nicht mehr anerkannt wird". Und “wo Gott verschwindet, …verliert der Mensch seine göttliche Würde, er verliert den göttlichen Glanz auf seinem Angesicht. Schließlich erweist er sich nur als das Produkt einer blinden Evolution und als solches kann er gebraucht und mißbraucht werden”.[16] Hier wird klar, dass dem neuen Papst die Evolutionstheorie missfällt und der Brief seines Vorgängers, Johannes Paul II, aus dem Jahre 1996, in dem dieser sich positiv (“Evolution ist mehr als eine Hypothese”) zu ihr geäußert hatte, wie Schönborn in seiner New York Times Kolumne behauptet[17], tatsächlich eine geschichtliche Marginalie bleibt. Was Schönborn und Benedikt im bereits stark säkularisierten Europa nicht mehr zu gelingen scheint, diese Weltsicht als Lehrmeinung in öffentlichen Schulen zu etablieren, soll in den viel religiöseren USA, wo sich ca. 90 Prozent als Gläubige definieren[18], durchgesetzt werden. Rom und evangelisch-fundamentalistische Kirchen und Institutionen in den USA spielen sich gegenseitig die Argumente zu. Das Pew Forum fand in einer umfangreichen Umfrage im July 2005 heraus, dass fast Zweidrittel der US-Bürger die Schöpfertheorie neben der Evolutionstheorie in öffentlichen Schulen gelehrt sehen möchten. 42 Prozent der Befragten hängen dem Kreationismus unmittelbar an. Sie meinen, alle Lebewesen haben seit Zeitbeginn schon so existiert wie jetzt. 48 Prozent dagegen glauben an die Evolution, wobei allerdings 18 Prozent von ihnen die Evolution als von einem “höheren Wesen geführt" sehen. Nur 26 Prozent glauben an die natürliche Auslese. Von allen Befragten wollen 38 Prozent die Lehre von der Evolution durch den Kreationismus ersetzt sehen und insgesamt 64 Prozent sind offen, beides in den Schulen anzubieten[19]. Präsident Bush trat am 2. August in die Debatte ein und sprach sich gegenüber Reportern dafür aus, beides zu unterrichten, also Evolution und Intelligent Design, damit "die Leute verstehen können, worum es bei der Debatte eigentlich geht" [20]. In der Stadt Dover, Pennsylvania, muss die Sache bereits per Gericht entschieden werden. Im Oktober 2004 hat die dortige Schulbehörde mit einer 6 zu 3 Mehrheit beschlossen, im Highschool-Biologieunterricht “Alternativen” zur Evolution zu behandeln, einschließlich der Intelligent-Design-Theorie. SchülerInnen der neunten Klasse sollen darauf hingewiesen werden, dass es eine Kontroverse über die Evolutionstheorie gäbe und Intelligent Design eine Gegenthese sei. Wer mehr zu dem Thema wissen wolle, soll sich in der Schulbibliothek das Lehrbuch "Of Pandas and People: the Central Question of Biological Origins" (Von Pandas und Menschen: Die zentrale Frage der biologischen Ursprünge) ausleihen und lesen. Das Buch wurde von der texanischen “Foundation for Thought and Ethics” (FTE), einer Intelligent Design verbreitenden Gruppe veröffentlicht[21]. In früheren Ausgaben finden sich noch Hinweise auf die Schöpfertheorie, die jedoch in der neueren Auflage durch “intelligent design” ersetzt wurden. Elf Eltern sind derartig empört, sie verstehen diese “Lehre” als Trojanisches Pferd für Religion, dass sie vor Gericht gingen, um die Schulbehörde und den Landkreis zu zwingen, diese Entscheidung rückgängig zu machen. Sie meinen, Eltern allein, nicht die Schulbehörde sollten über die religiöse Erziehung ihrer Kinder bestimmen. Der Prozess[22] wird seit dem 3. Oktober am Bundesgerichtshof (Federal District Court) in Harrisburg geführt und gilt als Musterprozess in einer Neuauflage des als Kulturkrieg (“culture war”) angesehenen Konflikts, der vermutlich bis zum Bundesverfassungsgericht (Supreme Court) fortgeführt werden soll. Er wird als Neuauflage des bereits 1925 zur Evolution stattgefundenen Prozesses “Scopes Monkey Trial” [23] gesehen und deshalb mit dem Titel Scopes II versehen. Auf beiden Seiten machen einflussreiche Organisationen ihren Einfluss geltend: Die “American Civil Liberties Union” (ACLU), die sich die Förderung der Bürger- und Menschenrechte auf die Fahnen geschrieben hat, und die “Americans United for Separation of Church and State” , die die Säkularität des Staates eingehalten wissen will, für die wissenschaftliche Seite, auf der anderen das “Thomas More Law Center”, eine christliche Organisation, die als ihre “Mission” ausgibt, das “Schwert und Schild für Leute des Glaubens” in Fällen von Abtreibung, Schulgebet und der zehn Gebote zu sein. Das Discovery-Institut distanziert sich aus taktischen Gründen von den Design-Vertretern in Dover, weil sie die Zeit noch nicht reif sehen für die praktische Umsetzung ihrer Theorien[24]. Am 8. November mussten die Freunde des Intelligent Design allerdings ihre erste Niederlage hinnehmen. Sie wurden sämtlich aus der Schulbehörde rausgewählt[25]. Pat Robertson, einflussreicher Fundamentalist in der regierenden Republikanischen Partei, sah sich daraufhin veranlasst, die Menschen in Dover vor Katastrophen zu warnen. Sie würden von Gott keine Hilfe mehr erwarten können, denn sie hätten ihn gerade rausgewählt[26]. Der Fall in Dover hat nationale Aufmerksamkeit erregt. Prominente Kolumnisten wie der konservative William Safire und der liberale Wirtschaftsprofessor Paul Krugman haben das Thema in der New York Times aufgegriffen. Safire geht der Sache sprachlich nach[27] und Krugman greift die Design-Verfechter an, sie wollten Konfusion in der Öffentlichkeit hervorrufen und sich in der Verwirrung als Alternative etablieren[28]. Gelänge ihnen das, wären die USA in der Rezeption von Wissenschaftlichkeit um 80 Jahre bis in die Zeit des Monkey-Prozesses in Tennessee zurückgeworfen. Das Wochenmagazin “Newsweek” bringt Ende November Charles Darwin auf die Titelseite[29]. Befürchtet wird im Falle eines negativen Ausgangs in Dover eine Ausbreitung der Intelligent Design Thesen in andere Staaten. Dazu gehören Kansas, das schon 1999 bis 2001 Darwin aus dem Unterricht verbannt hatte[30] und seit dem 8. November erneut den Lehrplan in dieselbe Richtung veränderte[31], Ohio, das seit 2002 SchülerInnen über die angebliche Kontroverse um die Evolution “lehrt”, sowie Alabama, Missouri und Georgia, wo entsprechende Gesetzesvorhaben anliegen. In weiteren zwanzig Bundesstaaten bestehen auf lokaler Ebene ähnliche Initiativen[32]. Ausgeblendet wird in der Debatte zumeist die Tatsache, dass die religiös inspirierten Kämpfer bereits ein weites Feld für sich reklamieren können. Das sind die weitverbreiteten privaten Schulen, die fast ausschließlich von Kirchen unterhalten werden. Dort wird, wie selbstverständlich, die Evolutionstheorie, wenn überhaupt, nur als eine These unter vielen dargestellt. Im Verhältnis Staat-Kirche spielt das seit der Voucher-Praxis eine zunehmende Rolle. In einigen Bundesstaaten, wie Florida, können sich Eltern für ihre Sprösslinge Vouchers [33] bzw. in Gouverneur Jeb Bushs Terminologie "Opportunity Scholarships" vom Staat ausstellen lassen, wenn die für sie zuständige Schule beim obligatorischen staatlichen “Florida Comprehensive Assessment Test” (FCAT) [34] versagt hat oder die Schule aus anderen Gründen nicht mehr als zumutbar erscheint. Diese Vouchers können dann als Schulgeld für private Schulen genutzt werden. Über diesen Umweg wird dann auch die kirchliche Lehrmeinung, also auch Kreationismus und Intelligent Design, mit Millionen Dollars öffentlicher Gelder finanziert. Ein klarer Bruch der verfassungsmäßig erforderlichen Trennung von Staat und Religion. Der Experte S. V. Date errechnet, dass in Florida 375 private Schulen Vouchers erhalten, in denen 8700 SchülerInnen unterrichtet werden.[35]. In Deutschland steht zwar die Abkehr von wissenschaftlichen Erkenntnissen in den Schulen zur Zeit nicht an, aber frei von kirchlichen Enflüssen ist die Bildung keineswegs. In einer Reihe von Bundesländern sind die Grund- und Volksschulen als christliche Gemeinschaftsschulen verfassungsrechtlich verankert. Den Kirchen wird nicht nur erlaubt, Religionsunterricht in staatlichen Schulen zu erteilen, sondern er wird mit öffentlichen Geldern finanziert und in den regulären Unterricht eingebaut. In Berlin, das keinen obligatorischen Religionsunterricht kennt, bestreiten die Kirchen dem Staat, in eigener Regie Ethikunterricht zu erteilen. Das könnten angeblich nur die Kirchen, die damit unterstreichen, dass sie sich allein berufen fühlen, wahrhaftig Ethik und Moral vermitteln zu können. Sie offenbaren damit einen im Kern noch nicht überwundenen totalitären Anspruch, den sie ihren Mitgliedern und der Gesellschaft als Ganzes Jahrhunderte lang aufoktroieren konnten. Es wird weiter gekämpft: Die CDU-Fraktion des Berliner Abgeordnetenhauses kritisiert den Entwurf des neuen Pflichtfachs Ethik als zu philosophielastig. Die Union fordert zudem, dass Schüler zwischen den Fächern Ethik/Philosophie und Religion wählen können. Uwe Goetze, Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Fraktion, führt darüber hinaus aus: “Wir lehnen die Singularität des Ethik-Pflichtfachs auch weiterhin entschieden ab. Wir fordern ein Wahlpflichtfach, das den Ansprüchen einer Vermittlung von Werten, von Grundlagen persönlicher Lebensgestaltung und der Unterrichtung im Sinne und durch Beteiligung der christlichen Kirchen genügt. Die Kirchen sollten daher stundenweise auch im Philosophie/Ethik-Teil des Faches präsent sein können“. Da hier der Staat Wertfragen unterrichtet, ohne die Kirchen direkt zu beteiligen, schlussfolgert er: “Die Religionsfreiheit der Schüler wird in eklatanter Weise missachtet“ [36]. Krasser kann man den Alleinvertretungsanspruch der Kirchen in Sachen Ethik kaum formulieren. Die Interessen nichtreligiöser oder andersgläubiger SchülerInnen werden ignoriert. Papst Benedikt XVI legt inzwischen auch nach. In seiner Audienz vom 9. November 2005 erklärt er, es sei undenkbar, das Universum könnte ohne ein "intelligentes Projekt" entstanden sein und kritisierte diejenigen, die sagen, seine Erschaffung sei ohne Richtung geschehen. Er sagte, die Liebe Gottes könne gesehen werden im “Wunder der Schöpfung” und zitierte den heiligen Basilius, den “Großen”, dass einige Leute, “durch ihren immanenten Atheismus verblendet, sich das Universum vorstellen frei von Richtung und Ordnung, als ob von der Gnade des Zufalls abhängig”[37]. Die christlichen Kirchen in Deutschland sehen sich allerdings in einer Zwickmühle. Einerseits wollen sie ihre geschichtlich erworbene Stellung im öffentlichen Bildungssystem nicht aufgeben, andererseits tritt eine neue Konkurrenz auf, der Islam, der in vielen seiner Schattierungen noch autoritärer für seine Ziele auftritt. Mit der Forderung “gleiches Recht für alle” versuchen seine Vertreter, die unzeitgemäße Rolle der Kirchen im Bildungswesen auch für sich zu erstreiten. KirchenvertreterInnen reagieren unterschiedlich. Einerseits wollen sie ihre Vormachtstellung erhalten, so erlassen unionsgeführte Bundesländer Kopftuchverbote, andererseits rufen sie vermehrt zum Dialog zwischen den Religionen auf. Gemeinsam wehren sie sich gegen eine Säkularisierung des deutschen Bildungswesens. In den USA wehren sich (christlich-) konservative Politiker gegen sexuelle Aufklärung in staatlichen Schulen, so zur Zeit in Kalifornien, mit dem Argument, das sollte den Eltern überlassen bleiben. In privaten christlichen Schulen wird die Evolution nicht gelehrt. Mit dem selben Argument treten in Deutschland konservative bzw. fundamentalistische Moslems auf, mit dem Ergebnis, dass Mädchen nicht am Biologie- oder Schwimmunterricht bzw. an Klassenreisen teilnehmen dürfen. Die fortschrittsgläubige Linke in Deutschland hat sich in diesem Problemfeld selbst Fesseln angelegt. Einerseits vertritt sie durchaus säkulare Ziele, andererseits kann sie diese nicht durchsetzen, solange sie an einem nichtintegrativen Multikulturalismusbegriff festhält. Der Berliner (rot-rote) Senat hat am 16. November 2005 ein “Islamforum Berlin” [38] ins Leben gerufen. Das Islamforum umfasst rund 25 Vertreterinnen und Vertreter staatlicher Institutionen, der Muslime, anderer Religionsgemeinschaften sowie von Migrantenorganisationen. Sein Ziel ist die Integration der Muslime und die Bekämpfung des Islamismus. Ein Schritt in die richtige Richtung. Aber wo bleibt das “Christenforum”? Günter Langer, 3. Dezember 2005 [1] Kardinal Christoph Schönborn, "Schöpfung und Evolution. Zur aktuellen Debatte". Erste Katechese aus der Reihe 2005/2006 "Schöpfung und Evolution", 2. Oktober 2005, Dom zu Stephan, Wien, http://stephanscom.at/evolution/0/articles/2005/10/04/a9281/ [2] Christoph Schönborn, Finding Design in Nature, New York Times, 7.7.2005, “Evolution in the sense of common ancestry might be true, but evolution in the neo-Darwinian sense - an unguided, unplanned process of random variation and natural selection - is not. Any system of thought that denies or seeks to explain away the overwhelming evidence for design in biology is ideology, not science.” Gleichzeitig abgedruckt in International Herald Tribune vom 8.7.05, http://www.iht.com/articles/2005/07/07/opinion/edschon.php,Mirror: http://www.millerandlevine.com/km/evol/catholic/schonborn-NYTimes.html, eigene Übersetzung. Kritik im deutschsprachigen Raum an diesem Text zu finden in Website von Prof. Dr. Reinhold Leinfelder: http://www.palaeo.de/edu/kreationismus/[3] Gregory S. Paul, Cross-National Correlations of Quantifiable Societal Health with Popular Religiosity and Secularism in the Prosperous Democracies, Journal of Religion and Society, Volume 7, 2005 http://moses.creighton.edu/JRS/2005/2005-11.html [4] Gregory S. Paul, a.a.O. [5] Zur Geschichte, zur Finanzierung und zum gegenwärtigen Einfluss des von konservativen Christen verschiedener Kirchen gesponserten Instituts siehe JODI WILGOREN, Politicized Scholars Put Evolution on the Defensive, NY Times, 21.8.2005, http://www.nytimes.com/2005/08/21/national/21evolve.html?ei=5070&en=2bdf4d69d01d7a48&ex=1129348800&pagewanted=print [6] Beispiele der Debatte für die Existenz oder Nichtexistenz eines Intelligent Design beschreibt KENNETH CHANG, In Explaining Life's Complexity, Darwinists and Doubters Clash, NY Times, August 22, 2005, http://www.nytimes.com/2005/08/22/national/22design.html?ei=5070&en=e86ab78fcd71c6d5&ex=1129348800&pagewanted=print [7] .” CORNELIA DEAN and LAURIE GOODSTEIN, Leading Cardinal Redefines Church's View on Evolution, NYT, 9 July 05, http://www.nytimes.com/2005/07/09/science/09cardinal.html?ei=5070&en=9d252f6f0e93931a&ex=1129176000&pagewanted=print [8]“If we view the predominant materialistic science as a giant tree, our strategy is intended to function as a "wedge" that, while relatively small, can split the trunk when applied at its weakest points”. Discovery Institute’s CENTER FOR THE RENEWAL OF SCIENCE & CULTURE, The Wedge Strategy, http://www.antievolution.org/features/wedge.html [9] Gregory S. Paul, a.a.O. [10] Jonathan Witt, The Origin of Intelligent Design: A brief history of the scientific theory of intelligent design, Discovery Institute, October 1, 2005, http://www.discovery.org/scripts/viewDB/index.php?command=view&id=2885&program=CSC&callingPage=discoMainPage [11] Vgl. William Safire, Neo-Creo, New York Times, 21.8.2005, http://www.iht.com/articles/2005/08/21/opinion/edsafire.php [12] Stephanie Schneider, Und die Erde ist doch eine Scheibe, telepolis.de, 28.7.2005, http://www.heise.de/tp/r4/html/result.xhtml?url=/tp/r4/artikel/20/20597/1.html&words=Intelligent%20Design [13] Schönborn, Wiener Katechese, a.a.O. [14] Schönborn, Wiener Katechese, a.a.O. [15] SCHREIBEN VON BENEDIKT XVI. BEI DER ERÖFFNUNG DER PASTORALTAGUNG DER DIÖZESE ROM ZUM THEMA FAMILIE, Lateranbasilika, Montag, 6. Juni 2005, http://www.vatican.va/holy_father/benedict_xvi/speeches/2005/june/documents/hf_ben-xvi_spe_20050606_convegno-famiglia_ge.html [16] HL. MESSE AM HOCHFEST DER AUFNAHME MARIENS IN DEN HIMMEL, PREDIGT VON BENEDIKT XVI. Pfarrkirche von Castelgandolfo, Montag, 15. August 2005, http://www.vatican.va/holy_father/benedict_xvi/homilies/2005/documents/hf_ben-xvi_hom_20050815_assunzione-maria_ge.html [17] Christoph Schönborn, Finding Design in Nature, a.a.O. [18] Gregory S. Paul, a.a.O. [19] vgl. LAURIE GOODSTEIN, Teaching of Creationism Is Endorsed in New Survey, NY Times, 31.8.05, http://www.nytimes.com/2005/08/31/national/31religion.html?ex=1129348800&en=71d0e05818259ee5&ei=5070 [20] zit. n. LAURIE GOODSTEIN, Teaching of Creationism Is Endorsed in New Survey, a.a.O. [21] Vgl. die Website von FTE: http://www.fteonline.com/about.htm [22] Der Fall, Kitzmiller et al versus Dover Area School District, wird von Richter John E. Jones III des United States District Court entschieden, der 2002 von Präsident Bush ernannt und 96 zu 0 Stimmen im Senat bestätigt wurde. Er wird auf sechs Wochen veranschlagt. [23] In Dayton, Tennessee, fand 1925 der Prozess Tennessee gegen den Biologielehrer John Scopes statt, der Darwins Theorie entgegen den Gesetzen dieses Bundesstaates unterrichtet hatte. Scopes wurde mit zunächst mit 100 $ Bußgeld belegt. Das Urteil wurde aber wegen eines “technischen Fehlers” später aufgehoben. Kulturell gewannen die Verteidiger der Evolutionstheorie. Nur zwei weitere Bundesstaaten, Arkansas und Mississippie, statt -wie vorgesehen- fünfzehn Bundesstaaten, verboten, Darwins Theorien zu unterrichten. Der Prozess wurde in den gesamten USA aufmerksam verfolgt, da sich auf beiden Seiten prominente Politiker bzw. Verteidiger engagierten. Professor Douglas O. Linder, The Scopes Trial: An Introduction, University of Missouri, Kansas City (UMKC), 2002, http://www.law.umkc.edu/faculty/projects/ftrials/scopes/scopes.htm. http://www.law.umkc.edu/faculty/projects/ftrials/scopes/evolut.htm. Das Schauspiel von 1955 "Inherit the Wind" basierte auf diesem Prozess und wurde 1960 mit Spencer Tracy und Fredric March in den Hauptrollen verfilmt. Zur Zeit geht L.A. Theater Works mit Peter Goodchilds Radiospiel "The Great Tennessee Monkey Trial" auf nationale Tournee. Vgl. STEVEN McELROY, Now Arguing Near You: The Evolution Drama, New York Times, 12. Okt. 2005, http://www.nytimes.com/2005/10/12/theater/12monk.html [24] Vgl. LAURIE GOODSTEIN, A Web of Faith, Law and Science in Evolution Suit, New York Times, 26.9.2005, http://www.nytimes.com/2005/09/26/education/26evolution.html?ei=5070&en=b4ae5d37a182d137&ex=1129348800&pagewanted=print [25] Laurie Goodstein, A Decisive Election in a Town Roiled Over Intelligent Design, NYT Nov. 10, 2005, http://www.nytimes.com/2005/11/10/national/10dover.html [26] People for the American Way, Right-Wing Outrage, http://www.pfaw.org/pfaw/general/default.aspx?oid=19453 [27] William Safire, Neo-Creo, New York Times, 21. August 2005, http://www.iht.com/articles/2005/08/21/opinion/edsafire.php, http://www.nytimes.com/2005/08/21/magazine/21ONLANGUAGE.html?ei=5070&en=6b69fcdfdef7d721&ex=1129348800&pagewanted=print [28] Paul Krugman, Design for Confusion, New York Times, 5. August 2005, http://www.nytimes.com/2005/08/05/opinion/05krugman.html?ex=1129348800&en=5d6003859b77592e&ei=5070 [29] Jerry Adler, Charles Darwin – Evolution of a Scientist, Newsweek, 28. Nov. 2005, http://www.msnbc.msn.com/id/10118787/site/newsweek/ [30] AP, 10.8.05, Kansas Board Advances a Draft Critical of Evolution [31] Jodi Wilgoren, Kansas Board Approves Challenges to Evolution, NYT 9. Nov. 2005, http://www.nytimes.com/2005/11/09/national/09kansas.html [32] JODI WILGOREN, In Kansas, Darwinism Goes on Trial Once More, New York Times, May 6, 2005, http://www.nytimes.com/2005/05/06/education/06evolution.html?ex=1129867200&en=18182bfca88f1f55&ei=5070 [33] Gouverneur Jeb Bush nennt das “Opportunity Scholarships”. Vgl. www.myflorida.com, http://www.myflorida.com/myflorida/government/governorinitiatives/aplusplan/opportunityScholarships.html [34] Der FCAT wird von der 3. bis zur 11. Klasse durchgeführt. Geprüft werden Kenntnisse in Mathematik, Naturwissenschaften, Lesen und Schreiben und mit nationalen Standards verglichen. Florida Department of Education-Website, http://www.firn.edu/doe/sas/fcat.htm [35] Vgl. S.V. Date, Many private schools taking vouchers teach creationism, Palm Beach Post, 9.10.2005. http://www.miami.com/mld/miamiherald/living/education/12862402.htm [36] Uwe Goetze: Ideologie contra Wahlfreiheit – Rahmenlehr-Plan zum Pflichtfach Ethik überzeugt nicht, Website der CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, 4.11.05, http://www.cdu-fraktion.berlin.de/ezpublish/index.php/cdu/aktuelles/presseerklaerungen/kritik_am_pflichtfach_ethik [37] AP, The Pope on Creation, 12. November 2005, http://www.nytimes.com/2005/11/12/international/europe/12pope.html?pagewanted=print [38] Pressemitteilung des Berliner Senats, 16.11.2005, Berliner Islamforum gegründet, http://www.berlin.de/landespressestelle/archiv/2005/11/17/32586/index.html
Nachtrag: Zum Kreationismus findet man viel Material bei: http://www.guidetoonlineschools.com/library/evolution-and-creationism |