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„Propaganda unter Freunden“

Die bestochene Journaille

von Gisela Richter

Ein kurzer Artikel im Tagesspiegel vom 17.12.02 mit obigem Titel informiert uns darüber, dass “das amerikanische Verteidigungsministerium eine geheime Propagandaoffensive gegen anti-amerikanische Stimmungen in Deutschland“ erwägt. Der Vorschlag (von Rumsfeld) beinhaltet auch, so wird uns berichtet, die Bestechung von Journalisten. Er sieht u.a. vor, „Amerika-freundliche Berichte zu bezahlen“.

Offensichtlich konnte der Vorschlag binnen kurzem ohne großen Widerstand umgesetzt werden. Wie anders lässt es sich erklären, wenn wir schon am 5.1.03 in der ARD um 21:45 in einen Bericht mit dem Titel “20 Minuten bis Bagdad“ eine Stunde lang über den anstrengenden Tagesablauf der ca. 6.000 Männer und Frauen auf dem amerikanischen Flugzeugträger Abraham Lincoln informiert werden. Dieser ist zur Zeit, wen wundert es, in der Golfregion stationiert und versorgt so nebenbei auch noch Afghanistan mit. Wir können beruhigt sein, fast alle erfüllen gewissenhaft ihre Aufgaben (Warten, Starten, Fliegen und Landen der etwa 80 an Bord befindlichen Jagdbomber) und uns nur vielleicht fragen, wie es denn so einfach war, die Leute bei ihren alltäglichen Arbeiten und Nöten zu beobachten und zu interviewen.

Verwunderung macht sich spätestens dann breit, wenn die ARD gleich am nächsten Tag, am 6.1.03, noch einmal dasselbe Thema aufgreift und in der Abendsendung  um 21.00 Uhr (REPORT aus München) nach der Erläuterung der  Frage „ Wer sind Saddams deutsche Helfer? Auszüge aus Iraks geheimem Rüstungsbericht“ eine Reportage vom Flugzeugträger USS Constellation mit dem Titel: "Nervenkrieg im persischen Golf" anschließt. Wie sich die Bilder gleichen!!-

Was soll man/frau aber davon halten, wenn sich wenige Tage später, am 10.1.03, der Berliner Tagesspiegel in seiner dritten Seite dieser uns nun schon bekannten Geschichte des Flugzeugträgers Constellation und dem Mühen seiner Mannschaft um die Erhaltung oder gegebenenfalls Herstellung des Friedens in den bekannten Krisenregionen widmet.

Möglicherweise ist inzwischen Herr Rumsfeld zu der Auffassung gekommen, dass es nicht nur im Deutschland des Gerhard Schröder gegen antiamerikanische Stimmungen anzukämpfen gilt: auch die BBC fühlte sich bemüßigt am 11.1.03 den uns schon vertrauten Bericht, diesmal über die Abraham Lincoln, ihren Zuschauern in ihrer Abendsendung nach 20.30 Uhr vor Augen zu führen.

Da kann auch das Info-Radio nicht fehlen: Wie immer ein bisschen verspätet (Montag, den 13.1.03 gegen 7.30 Uhr), übernimmt es offensichtlich, wie häufig, große Teile der im Tagesspiegel wiedergegebenen Reportage zur Constellation. Sicher gibt es noch andere Sender oder Printmedien, die sich dieser Kampagne angeschlossen haben und die bei dieser Zufallsausfall nicht berücksichtigt wurden.

Sind die Journalisten hier in Westeuropa wirklich so leicht käuflich oder , was auch nicht besser wäre, so naiv ?

Berlin, 13.1.03