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 Becklash-Debatte

Antifaschismus heißt Antiislamismus

Offener Brief an die Antifaschistische Gruppe im Prenzlauer Berg

Leo Bauer, 18. Februar 2004

http://dki.antifa.net/inipa/inipa.php?p=agip-bendkowski

(hier auch Links zu den Dokumenten auf die sich dieser Text bezieht)

Hallo Leute,

schon länger war mir ein Aufruf von Halina Bendkowski und anderen zur Kopftuchdebatte bekannt, der vorschlägt, der islamistischen Geschlechterapartheid mit einer Art schriftlichem Bekenntnis von Einwanderern zum Nichtdiskriminierungsgebot entgegenzutreten. Ich halte das für einen naiven und unrealistischen Vorschlag, da die Bundesregierung wegen ein paar aufgeregter Feministinnen kaum ihre außenpolitischen Verbündeten vor den Kopf stoßen wird. Außerdem, was ist mit Islamisten, die keine Einwanderer sind? Viele der islamistischen Führungsfiguren in Deutschland sind, welch Wunder, Konvertiten, z.T. auch aus der deutschen Linken.

Jetzt habe ich auf Eurer Website eine Entgegnung darauf gefunden die mich erstaunt hat, und da ich von Euch in der Zwischenkriegszeit durchaus einiges Lesenswertes gesehen habe, hier ein paar kritische Anmerkungen dazu. Halina Bendkowski stellt sich gegen den rassistischen Konsens der 1968er, der da besagt, die Geschlechterapartheid sei ein normaler Bestandteil der islamischen Kultur welcher daher von außerhalb dieser Kultur nicht kritisiert werden dürfte. Das ist in einer Zeit, wo der alte konservative Rassismus weitestgehend vom antiimperialistischen Kulturrelativismus abgelöst worden ist, anerkennenswert, auch dann wenn man Halina Bendkowskis politische Richtung sonst für absurd befindet, da die Zivilgesellschaft in Deutschland eine Farce ist.

Euer Kommentar versteigt sich jedoch in die noch größere Absurdität, ihr dafür, dass sie gegen den Pro-Kopftuchzwang-Aufruf der Antiimps protestiert, Rassismus vorzuwerfen, anstatt sie dafür zu kritisieren, dass ihre Lösungsvorschläge nichts taugen. Er verfehlt in der Sache, da er davon ausgeht, der deutsche Rassismus der Gegenwart definiere sich aus Abgrenzung vom Islamismus statt aus seiner Romantisierung. Doch der Antifaschismus ist immer der schärfste Gegner von Theokratie und politischem Gottesgnadentum gewesen, und das muß auch so bleiben. Die Verherrlichung der grünen Religion sollte denjenigen überlassen bleiben, die zu diesem Zweck angetreten sind, der Grünen Partei Joschka Fischers.

Der Kurzschluß vom Ku-Klux-Klan über die Bundeswehr zu Halina Bendkowski verdreht die Darstellung von Antifaschisten islamischer Herkunft wie Mariam Namazie, Kanan Makiya, Amir Taheri u.v.a. in ihr Gegenteil, die im Ku-Klux-Klan eine der - neben dem deutschen Nationalsozialismus - am ehesten mit dem islamistischen Terror der Gegenwart vergleichbaren politischen Erscheinungen in der Geschichte des Westens sehen. Makiya argumentiert beispielsweise, die christliche Maskerade des Klans sei ebenso(wenig) religiös im gewesen wie der islamische Todeskult der Al Qaeda, und der Krieg der Vereinigten Staaten gegen die Sklavenhalteroligarchie sei ebenso eine Auseinandersetzung zweier politischer Systeme - statt zweier Kulturen - gewesen wie der heutige Krieg der antifaschistischen Koalition gegen den Terrorismus.

Vor diesem Hintergrund steht die Denunzierung des Antiislamismus als rassistisch immer in der Gefahr, ins Geschichtsrevisionistische umzukippen und den antiimperialistischen Konsens zu affirmieren. Wer im Jahr 2004 vom Islamfaschismus nicht reden mag, klingt hohl, wenn er sich dennoch Antifaschist nennt.

mit freundlichem Gruß

Leo Bauer

PS: "blacklash" heißt Rückwirkung bzw. Repression, der "backslash" hingegen ist ein umgekehrter Schrägstrich.

http://www.inipa.de - Initiative Potsdamer Abkommen