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Die Sarrazin-Debatte

Immigration - Islam -Gene

 

Zwei Marxisten kommentieren den Fall Sarrazin total gegensätzlich:
1. Hartmut Krauss (25.8.2010):
Ein Lehrstück in mehrfacher Hinsicht
2. Christian Semler (taz, 8.9.2010):
Rassismus aus der Mitte

   01.09.2010  : Angie und die Brandstifter
Es war das erste Mal seit Ludwig Erhard, der in den Flegeljahren der Bundesrepublik Intellektuelle als “Pinscher, Uhus und Banausen” bezeichnet hatte, dass ein amtierender Kanzler bzw. eine Kanzlerin sich ein literarisches Urteil erlaubt hatte - nicht als Privatperson bei einem Besuch der Frankfurter Buchmesse, sondern ex cathedra. Und es war das erste Mal, dass ihr niemand widersprach, so als gehöre es zum Amt der Kanzlerin, Bücher danach zu beurteilen, ob sie bei der Durchsetzung der Regierungspolitik hilfreich wären oder nicht. Wäre dies der Maßstab, müsste man mindestens 99% der jährlichen Buchproduktion gleich nach dem Erscheinen einstampfen.

Matthias Matussek: - Die Gegenwut (Spiegel, 6.9.10).
Wegen seiner polemischen Muslim-Schelte steht Thilo Sarrazin am Pranger, aber eines begreifen seine Kritiker offenbar nicht. Der Provokateur verkörpert etwas, das sich nicht ausgrenzen lässt: die Wut von Leuten, die es satt haben, für ihre Integrationsangebote beschimpft zu werden. Sarrazin ist zur Chiffre geworden für die Empörung darüber, wie das Justemilieu der Konsensgesellschaft den Saalschutz losschickt, um einen verstörenden Zwischenrufer nach draußen zu eskortieren. Was all die Ausgrenzungstechniker nicht begreifen, ist, dass sich das, was Sarrazin verkörpert, nicht ausgrenzen lässt. Es ist die Wut von Leuten, die es satt haben, als rückständig empfundene Praktiken in ihre Gesellschaft, die einen langen und mühevollen Prozess der Aufklärung hinter sich hat, zurückkehren zu sehen. Die es satt haben, für ihre Angebote an Eingliederungshilfen beschimpft und ausgelacht zu werden. Die es satt haben, über terrornahe islamistische Vereine zu lesen, über Ehrenmorde, über Morddrohungen gegen Karikaturisten und Filmemacher oder zu hören, dass auf Hauptschulhöfen "du Christ!" als Schimpfwort benutzt wird. Die wütend zur Kenntnis nehmend lesen, dass sich westliche Staatsmänner für Frauen in einem islamischen Land einsetzen müssen, weil diese dort als Ehebrecherinnen gesteinigt werden sollen.
 

Der wahre Schlüssel zur menschlichen Intelligenz (Welt, 6.9.10).
In Forscherzirkeln steht definitiv fest: Intelligenz lässt sich nicht mit Genen beschreiben. Vor knapp zehn Jahren zeigten Forscher in einer großen Zwillingsstudie, der sogenannten TEDS-Studie, dass es einen Einfluss der Gene auf die Intelligenz gibt. Doch einzelne Intelligenzgene gibt es nicht. Robert Plomin vom Londoner King's College etwa scannt seit Jahren das Erbgut nach solchen Genen - und fand viele. Doch der einzige Faktor sind die Gene nicht. Wissenschaftler haben ebenfalls an Studien mit Zwillingen und mit Adoptivkindern herausgefunden, dass die Erblichkeit 0,5 beträgt. Das bedeutet, dass in einer bestimmten Bevölkerungsgruppe die Unterschiede im IQ zu 50 Prozent auf unterschiedliche Gene zurückgehen. Die anderen 50 Prozent bestimmen das soziale Umfeld, eine bessere Ernährung oder die Verhältnisse im Mutterleib.

Karl-Heinz Karisch: Die Spur der Gene. Die jüdische Gemeinschaft hat ihr Erbgut trotz Diaspora über Jahrtausende erhalten - ein Intelligenzgen gibt es aber nicht. (Berl. Zeitung, 3.9.10).
Sarrazin benutzt für seine kruden Behauptungen völlig unzulässig genetische Untersuchungen, die lediglich die Wanderungsbewegung der Menschheit seit ihrem Aufbruch vor zwei Millionen Jahren aus Ostafrika nachzeichnen. Genetisch gesehen sind alle Menschen extrem eng miteinander verwandt. Dennoch können die Genetiker sogenannte Haplogruppen identifizieren, die sich je nach Wanderungsbewegung gut unterscheiden lassen. Die bislang umfassendste Studie zur genetischen Verwandtschaft von Juden stellten die US-Forscher Gil Atzmon und Harry Ostrer im Juni im American Journal of Human Genetics (Bd. 86,6) unter dem Titel "Abrahams Kinder im Gen-Zeitalter" vor. Darin belegen sie, dass es auch nach Jahrtausenden der Diaspora noch starke genetische Gemeinsamkeiten gibt. Demnach sind orientalische, (ost-)europäische und aus Spanien und Portugal stammende Juden -Misrachim, Aschkenasim und Sephardim genannt -eng verwandt.


Neue genetische Analysen deuten auf eine gemeinsame Abstammung aller Juden hin, obwohl viele seit langer Zeit auf unterschiedlichen Kontinenten leben. Deshalb wird die israelische Öffentlichkeit wahrscheinlich mit großer Aufmerksamkeit auf eine Studie reagieren, die ein Forscherteam um den Genetiker Harry Ostrer von der New York University School of Medicine in der Juni-Ausgabe der Fachzeitschrift American Journal of Human Genetics (online) veröffentlicht: Demnach deuten Genanalysen darauf hin, dass alle jüdischen Menschen tatsächlich relativ eng miteinander verwandt sind - selbst dann, wenn sie seit langer Zeit getrennt auf unterschiedlichen Kontinenten leben und sich mit den dort lebenden Ethnien vermischt haben. Die neuen Erkenntnisse sind nicht nur von historischem Interesse, sondern dienen auch als handfestes politisches Argument. Denn unter anderem aus der Idee der gemeinsamen Abstammung leiten die Nachfahren der vertriebenen Juden das Recht ab, den Staat Israel auf dem Gebiet des ehemaligen Heiligen Landes zu gründen. Auf ihr beruht letztlich auch das sogenannte "Rückkehrgesetz", das jeder als Jude anerkannten Person bei der Einreise sofort die israelische Staatsbürgerschaft garantiert. (SZ, 04.06.2010).

BBC: Africa's genetic secrets unlocked (1.5.09).
A genetic map of Africa - the continent from which all modern humans originate - has provided information about its huge diversity of language and culture. The work revealed the continent to be the most genetically diverse place on Earth, and identified descendents of our earliest human ancestors. The team, led by Sarah Tishkoff from the University of Pennsylvania, studied genetic material from 121 African populations. They collected over 3,000 samples, and identified 14 "ancestral population clusters". These are groups of populations with common genetic ancestry, who share ethnicity and similarities in both their culture and the properties of their languages. The team looked at individual ancestry, or genetic similarities in their samples, by comparing the frequencies of more than 1,000 DNA markers - sections of the DNA code that are known to reveal common genetic heritage. The data has revealed a great deal about the history of the continent. "This is the first time we have had the genetic data to reconstruct migration events," Dr Tishkoff commented. The researchers also took samples from four African American populations, and traced their African ancestry. This was, as expected, mostly pinned down to West Africa.

Sarrazin zitiert Goethe:
 Der Stil des Koran ist seinem Inhalt und Zweck gemäß streng, groß, furchtbar“, und, etwas später: Die muslimische Religion lässt „ihren Bekenner nicht aus einer dumpfen Beschränktheit heraus“. Der hellsichtige Goethe spielte ästhetisch und ironisch mit dem Islam, aber von der totalitären Gefahr dieser Religion verstand er vor zweihundert Jahren mehr als heute die Redenschreiber unseres Bundespräsidenten. (Faz. 25.12.10).
Thilo Sarrazin Schreibt über den Islam: „Bei keiner anderen Religion ist der Übergang zu Gewalt und Terrorismus so fließend“ (Bild, 26.8.10).
Kommentar: Hat nicht der Papst, nur etwas vornehmer, ähnliches in seiner Regensburger Rede bereits ausgedrückt?